Die evangelische Kirche
Die evangelische Kirchengemeinde verdankt der Kurfürstin Amalia von der Pfalz ihre Pfarrkirche. 1602 legte sie den Grundstein zum Kirchbau und verpflichtete vor ihrem Tode ihren Schwager, das Werk zu vollenden. Graf Arnold II. von Bentheim erfüllte sein Versprechen: Er beauftragte den Landesbaumeister von Jülich-Kleve-Berg, Johannes von Pasqualini den Jüngeren (1562-1615), mit dem Bau der Pfarrkirche. Pasqualini stammt aus einer berühmten italienischen Baumeisterfamilie, hatte seinen Wohnsitz in Düsseldorf und war selber reformierter Christ.
Von 1602-1604 ließ Pasqualini eine frühbarocke Wandpfeilerkirche in italienischer Architektur errichten, die zur damaligen Zeit am Niederrhein ein absolutes Novum war.
Die Alpener Kirche ist ein Saalbau, der im Innern durch 8 Pilaster gegliedert ist. Diese tragen die breiten Gurtbögen, gliedern und schmücken die Wände. Hinter den Pilastern liegen die Wandpfeiler.
Der Architekt fügte an der Ostseite der Saalkirche den Chor des Vorgängerbaus – der gotischen Nikolauskapelle – querschiffartig als Grabkapelle ein. Wegen des hohen Grundwasserstands wurde die Kirche auf Pfählen gegründet.
Die Alpener Kirche war der erste Kirchenneubau in Deutschland, der bewusst als reformierte Kirche konzipiert wurde. Diese Kirche ist die älteste reformierte Pfarrkirche Deutschlands.
Die Kirche ist im Innern durch drei Hauptstücke wirkungsvoll dekoriert: Kanzel, Orgelprospekt und Grabmonument:

Die barocke Kanzel wurde 1719 von Wilhelm Schillings aus Amsterdam gestiftet. Sie beherrscht durch ihre erhöhte Lage in der Mitte der Chorwand und den überdimensionalen Schalldeckel den Saal. Damit wird zugleich deutlich, dass die Predigt der Hauptinhalt des Gottesdienstes ist. Die Alpener Kirche ist eine typische Predigtkirche.
Die Orgel auf der Empore steht der Kanzel gegenüber. Sie befindet sich in ihrem originalen barocken Gehäuse aus dem Jahr 1782. Kanzel und Orgelprospekt korrespondieren durch die Farbe des Holzes und die Goldverzierungen miteinander. Ins Auge fällt der lateinische Sinnspruch Futura Contemplans Beatus (Gesegnet ist, wer die Ewigkeit im Blick hat). Der berühmte Orgelbaumeister Jakob Engelbert Teschemacher aus Elberfeld (1711-1782) hat die Orgel entworfen, sein Nachfolger Johann Gerhard Schrey hat sie gebaut und 1782 aufgestellt.
Das Grabmonument der Kurfürstin Amalia von der Pfalz – zumeist Epitaph genannt – ist das architektonische Glanzstück der Kirche. Der Architekt Johannes von Pasqualini hat es 1604-1606 unter seiner Leitung im Stil römischer Wandgräber erbauen lassen. Stifter ist der Schwager der Kurfürstin Graf Arnold II. von Bentheim. Das Marmorepitaph der Kurfürstin Amalia ist ein Meisterwerk der Spätrenaissance im Stil römischer Wandgräber. Es erhebt sich über einer nicht zugänglichen Gruft an der Stirnseite der Grabkapelle. Dort liegt die Kurfürstin Amalia an der Seite ihres ersten Ehemannes Heinrich von Brederode und ihrer Eltern begraben.
1716 wurde Alpen durch eine Feuersbrunst in Asche gelegt. Auch der Pasqualinibau wurde bis auf die Umfassungsmauern ein Raub der Flammen. Von 1717-1718 baute der Italiener Bartolomeo Salla die Kirche wieder auf. Er verstärkte den barocken Charakter der Kirche dadurch, dass er den Turm durch eine mehrfach geschweifte Welsche Haube zierte. Sie gilt als das Wahrzeichen von Alpen.
