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5.9.2010

Aus der Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde

 

Die Anfänge der evangelischen Kirchengemeinde Alpen

Die Herrschaft Alpen

Das kleine Ländchen Alpen gehörte im Mittelalter zum Herrschaftsgebiet von Kurköln. Der Erzbischof von Köln hatte das Gebiet den Grafen von Neuenahr zu Lehen gegeben. Das neuenahrsche Grafengeschlecht bestand aus den Linien Neuenahr-Alpen und Neuenahr-Moers.1555 übernahm Graf Hermann von Neuenahr-Moers die Vormundschaft für die unmündigen Grafenkinder Amalia, Adolf und Magdalena aus dem Haus Neuenahr-Alpen.

Lutherische Reformation in Alpen

Der lutherisch gesinnte Graf Hermann stellte während der Vormundschaft Hermann Hengstenberg als evangelischen Pfarrer in Alpen an. Hengstenberg wird 1559 zum erstenmal urkundlich erwähnt. 1560 führte Graf Hermann in der Grafschaft Moers und in der Herrschaft Alpen offiziell die Reformation lutherischer Tradition ein.

Konfessionswechsel zum Calvinismus

Nach dem Tod des Grafen Hermann trat 1578 Graf Adolf von Neuenahr-Alpen die Herrschaft in Alpen und Moers an. Graf Adolf war ein überzeugter Anhänger der Lehre Calvins. Er führte in seinen Herrschaftsgebieten den Wechsel von der lutherischen zur reformierten Konfession durch und erließ 1581 dazu eine Kirchenordnung. Seit 1578 ist auch für die Alpener Kirchengemeinde ein reformiertes Bekenntnis nachweisbar. 1582 erhielt die reformierte Gemeinde ein Presbyterium und eine Schule.

Gegenreformation und Rückführung zum Calvinismus

1582 veranlasste Graf Adolf von Neuenahr den Kölner Erzbischof Gebhard Truchsess von Waldburg dazu, zum Protestantismus überzutreten. Dieser Schritt drohte die konfessionelle Landschaft Deutschlands und die Machtverhältnisse im Reich zu verändern. Daher griff die katholische Vormacht Spanien ein. 1586 besetzten die Spanier Alpen. Die reformierte Gemeinde war nun der Gegenreformation ausgesetzt. Nach dem Tode des Grafen Adolf und der Vertreibung der Spanier kam 1600 seine Schwester, die inzwischen verwitwete Kurfürstin Amalia, nach Alpen als Landesherrin zurück und machte die Gegenreformation rückgängig, so dass die gesamte Bevölkerung Alpens wieder reformiert war.

Die evangelische Kirche in Alpen

Die evangelische Kirchengemeinde verdankt der Kurfürstin Amalia von der Pfalz ihre Pfarrkirche. 1602 legte sie den Grundstein zum Kirchbau und verpflichtete vor ihrem Tode ihren Schwager, das Werk zu vollenden. Graf Arnold II. von Bentheim erfüllte sein Versprechen und ließ von 1602-1604 durch den berühmten Baumeister Johann Pasqualini den Jüngeren eine frühbarocke Wandpfeilerkirche in italienischer Architektur errichten, die zur damaligen Zeit am Niederrhein ein absolutes Novum war. In den Saalbau aus verputzten Backsteinen fügte er den Chor der gotischen Nikolauskapelle wie ein Querschiff als Grabkapelle ein. Hier befindet sich das im Stil der Spätrenaissance gestaltete prächtige Grabmonument der Kurfürstin Amalia von der Pfalz. Nach dem Stadtbrand von 1716 baute Bartolomeo Salla von 1717-18 die Kirche wieder auf und verstärkte den barocken Charakter dadurch, dass er der Kirche eine welsche Haube aufsetzte. Die evangelische Kirche zu Alpen ist die älteste reformierte Pfarrkirche Deutschlands. 

Amalia von Neuenahr-Alpen, Kurfürstin von der Pfalz (1539-1602)

 

Amalia von Neuenahr-Alpen war eine schöne, selbstbewusste, politisch interessierte Frau und Herrscherin, die aus der Kraft ihres christlichen Glaubens lebte. Sie wurde 1539 in Alpen geboren. Mit 18 Jahren heiratete sie Heinrich von Brederode, den späteren Führer der niederländischen Freiheitsbewegung. Nach dessen frühen Tod vermählte sie sich 1569 mit dem calvinistischen Kurfürsten Friedrich III. von der Pfalz, der den Heidelberger Katechismus herausgegeben hatte. 1600 kehrte Amalia nach Alpen zurück und verbrachte dort ihre letzten Lebensjahre als Regentin. Die Kurfürstin starb am 20.4.1602. Sie liegt in der evangelischen Kirche neben ihrem ersten Ehemann begraben.

 

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Detailierte Informationen über die Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde Alpen finden sie in folgenden Büchern, die über unser Gemeindebüro erhältlich sind:

  • Daebel, Joachim: Kurfürstin Amalia von der Pfalz und ihre Kirche zu Alpen 1604-2004, Regensburg (Schnell & Steiner) 2004, ISBN 3-7954-1716-3
  • Daebel, Joachim: Die evangelische Kirche in Alpen, Regensburg (Schnell & Steiner) 2007, ISBN 978-3-7954-8059-2
  • Daebel, Joachim: Synode Moers 1608-2008, Moers (Brendow & Sohn) 2008, ISBN 978-3-86506-256-7

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